"SieSi" und "SimSi": Der Maibaum steht perfekt

In Bleibach beobachteten viele Gäste den kniffligen Aufstellakt.

Dieser Baum wird kein leichter sein, dieser Baum ist schwer und ist lang: 24 Meter hoch steht er nun kerzengerade beim Bahnhof. Foto: Bernd Fackler

GUTACH. "Sie kumme, sie kumme!"rufen die Buben am kleinen Hang zwischen Bahnhofstraße und Gleise. Sie haben die beste Sicht: Am letzten und lauen Aprilabend, kurz vor 18 Uhr, da kommt ihnen und den vielen anderen Zuschauern so einiges entgegen aus Richtung Ölbergweg her: Bulldog und Böllerschützen, Freischärler und Schiebeschläger, Tauzieher und Trachtenträger und gleich drei Musikkapellen: Aus Bleibach, Siegelau und – das erste Mal dabei – Siensbach. Ja und irgendwo ziemlich hinten lässt sich die Haupt"person" ziehen: Der mehr als stattliche Maibaum, genau 24 und einen halben Meter lang, dessen Stamm ganz badisch-gelb-rot-gelb angemalt ist .

Auf dem Bahnhofvorplatz soll er wieder aufgestellt werden, "zum siebten Mal", wie Willi Wehrle, der Vorsitzende des federführenden Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein Bleibach "Zwei-tälerland" zu Beginn den vielen Gästen mitteilt. Wehrle war es auch, der vor sieben Jahren Idee und Initiative hatte: In Deutschland soll der Brauch des Maibaumstellens schon im 13. jahrhundert gepflegt worden sein – da wurde es auch für "Bliibich" mal Zeit, mag er sich gedacht haben. Im Lauf dieser kurzen Zeit ist es ein Ereignis im ganzen Tal geworden, zu dem die Leute herbeiströmen.

Nachdem der lange Baum gut überall um den "Ronk" (Kurve) kam, übernahm Korporal Karl Schweizer

("Schmiddi-Karli") von den Bleibacher Böllerschützen die Befehlsgewalt. Und stellte gleich mal klar: "So e Baum ufz’stelle, des brucht si Zit, des war schu immer so." Man erfuhr auch, dass es eine "Siegelauer Site" und eine "Simiswälder Site" bei diesem Maibaum gibt . Also eine "SieSi" und eine "SimSi", soso. "Männer, Baum, hoch!" ertönte mehrmals das "Karli-Kommando" für die Baumsteller mit den badisch-gelb-rot-gelben Schutzhelmen. Hätte es solche anno 1848 schon gegeben, wer weiß, wie dann die Revolution ausgangen wäre?

Schließlich ruft der Korporal: "Wenn der Baum uf 60 Grad stoht, mueß er durchg’stellt were!" und kurz darauf: "Siegleauer Site ziege, ziege, ziege, Simiswädler Site nochlosse!" Unter der Regie von "Baumstell-Architekt" Michael Eh klappte alles wie am Schnürchen, der Maibaum 2012 steht auf Anhieb "wie ’ne Einser" – Musik, Beifall, Böller. Alles klatscht und freut sich, natürlich auch und ganz besonders Willi Wehrle: "So vieli Trachte und Musike und de Petrus het’s au noch guet g’meint mit uns – do schlagt einem s’Herz höher !"

Zum Abschluss erklingt von allen drei Kapellen gemeinsam "Hoch Bad’nerland" und dann: Abmarsch in Wehrles Gipserhalle, wo die Kapelle "Malayka" noch lange zum Tanz in den Mai aufspielt.