Trachten tragen, tanzen und singen

Der Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein "Zweitälerland" ist nach wie vor sehr engagiert in Bleibach, im Tal und darüber hinaus.

Die Singgruppe des Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein Zweitälerland bot in der Hauptversammlung mehrere Einlagen.  Foto: karin Heiss

GUTACH. Daheim und auswärts ist der Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein "Zweitälerland" sehr engagiert. So liegt wieder ein arbeitsreiches Jahr hinter ihm. Die Hauptversammlung im Gasthaus "Sonne" übernahm Beisitzerin Dorothee Wehrle, da ihr Vater, Vorsitzender Willi Wehrle und Frau Friedel, ebenfalls im Verein sehr engagiert, noch im verdienten Urlaub waren.

Den Jahresrückblick lieferte Schriftführerin Helga Dorer. Im Januar bot die Kindervolkstanzgruppe Tanzdarbietungen beim Familien-Tanz-Tee in Bleibach bei der Initiative "Kulturfenster", im April bereicherten die Trachtenträger die Prozession beim Patrozinium St. Georg. Bei der der Gewerbeschau Gutach gab es im Gipsergeschäft von Willi Wehrle einige Gesangsbeiträge. Ein Höhepunkt jedes Jahr: Das Maibaumstellen samt Festumzug mit etlichen Trachten- und Brauchtumsgruppen und anschließendem Tanz in den Mai. Die Volkstanzgruppe hatte einen Auftritt im Freien bei der Winzergenossenschaft Leiselheim im Mai; danach ging es zur Traktorfahrt durch die Weinberge. Die Trachtenträger waren bei der Fronleichnamsprozession dabei und eine Abordnung überraschte die Vereins-Stickerin Maria Fischer und Ehemann zu deren Goldener Hochzeit. Im Juni präsentierte sich der Verein stark beim Triberger Schinkenfest samt Schwarzwälder Trachtenumzug vor der einzigartigen Kulisse der Triberger Wasserfälle. Die Singgruppe mit ihrem Leiter Hubert Rombach und Ursula Disch am Akkordeon sowie das "Öle-Duo" traten im Juni beim Frühlingsfest am Silberkönig auf und bereicherten im Juli den Seniorennachmittag der AWO in Waldkirch. Dank unermüdlichem Einsatz von Friedel Wehrle präsentierte sich der Verein mit fast 100 Trachtenträgern als größte Gruppe beim Kreistrachtenfest in Obersimonswald. Der Karnevalsgesellschaft Union Wesseling bei Köln sollte beim Jahresausflug in Bleibach "etwas Schönes" geboten werden – das gelang mit einer Trachtenvorstellung und Beiträgen der Singgruppe und des Öle-Duos. Beide gestalteten auch das Programm beim B-Fest in Niederwinden und beim Herbstfest im St. Nikolai-Heims in Waldkirch mit und hatten einen Auftritt beim "Tag der Tracht" auf der Oberrhein-Messe in Offenburg. Zum Kinderferienprogramm der Gemeinde steuerte man "Sommerhits für Kids" bei: 18 Sechs- bis Zwölfjährige bastelten mit Papier und Perlen begeistert mit. Im August ging es als Trachtengruppe zum Weinfest mit Kreistrachtenfest in Breisach und im Oktober mit über 80 Trachtenträgern zur Trachtenwallfahrt nach St. Peter, "um für Frieden in der Welt und Gelingen der Integration von Flüchtlingen zu beten". Zur Kilwi vom Musikverein Bleibach steuerten die jungen Tänzerinnen Auftritte bei.

Beim Adventskaffee für Senioren in Kollnau boten Öle-Duo, Sing- und Kindertanzgruppen Einlagen, ebenso beim Seniorennachmittag in Gutach. Insgesamt nahm der Vorstandan drei Festumzügen teil, die Erwachsen-Tanzgruppe (Leitung: Gisela Kaltenbach) hatte acht Auftritte, die Kindertanzgruppe leiten Inge Strittmatter und Monika Kruczler, der Singkreis hatte acht Auftritte. Der Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein hat 241 Mitglieder, davon 136 aktive (plus zwei gegenüber Vorjahr), und 28 Kinder. Bei den Kindern gab es neun Neuzugänge und zwei Austritte. Das Durchschnittsalter bei den Erwachsenen beträgt 57,13 Jahre, bei den Kindern 10,15 Jahre.

 

Böllerschützen mit 507 Böllerschüssen


Schussmeister Kurt Beckmann berichtete ausführlich über die Böllerschützen Bleibach, die im Verein integriert sind mit 21 Mitgliedern, davon 14 "pulverberechtigte" Schützen (davon zwei Frauen), fünf Marketenderinnen, einem Tafelträger und einem Fahnenjunker. Die Böllerschützen nahmen an 21 Aktionen teil und gaben 507 Böllerschüsse ab.

Kassiererin Brigitte Herr stellte als größeren Einnahmeposten den Tanz in den Mai heraus, ein großer Ausgabeposten sei die Anschaffung der neuen T-Shirts, dennoch stehe die Kasse auf solidem Fuße.

Bürgermeister Urban Singler zollte dem Verein Anerkennung, "auch im Namen der Tourismusgesellschaft Zweitälerland, für die zahlreichen Aktivitäten".

Für ihren Fleiß in der Singgruppe geehrt wurden Edith Rombach, Hildegard Ketterer, Gisela Müller, Ursula Disch und Hubert Rombach.

 

2015 Kreistrachtenfest in Bleibach

Hauptversammlung Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein Bleibach-Zweitälerland / Böllerschützen böllerten vom Königstein.

  1. Bei der Europeade 2013 in Gotha: Die Elztäler mischen sich unter die Slowenier – und umgekehrt. Foto: Theo Kaltenbach

 

GUTACH. Unvergesslicher Höhepunkt im Jahr 2013 war die Teilnahme an der Jubiläumsveranstaltung der 50. Europeade 2013 in Gotha, wo der Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein Bleibach-Zweitälerland als einziger Vertreter des Schwarzwaldes vertreten war. Dies erfuhr man dieser Tage in der Hauptversammlung.

Ohne Nachwuchssorgen und gut aufgestellt unter der starken Leitung des Ehepaares Willi und Friedel Wehrle will der Verein auch weiterhin das Brauchtum lebendig erhalten, nicht zuletzt zugunsten des Tourismus.

Nach schwungvoller Begrüßung durch den Vorsitzenden Willi Wehrle ging es gleich "zur Sache": Wie rührig der Verein ist, belegte die von Schriftführerin Helga Dorer verlesene und mit 32 Veranstaltungen lange Liste. Wann immer ein Fest im "Zweitälerland" zu begleiten war, fand sich der Verein bereichernd dabei, sei es beim Maibaumstellen, bei Kirchenfesten, privaten und öffentlichen Jubiläen, beim Ferienprogramm für Kinder, bei Seniorennachmittagen oder der Teilnahme an drei Festzügen.

Unvergesslich bleiben wird den Aktiven die Europeade in Gotha. Dieses mit mehr als 40 Gruppen aus nahezu allen europäischen Ländern und über 5000 Teilnehmern sehr renommierte kulturelle Festival hat zum Ziel, die Eintracht unter den Völkern zu unterstützen. Zusammen mit der Trachtenkapelle Bleibach repräsentierte die Trachtengruppe beim Festumzug unter großem Beifall der vielen Zuschauer den Schwarzwald. Wie wichtig diese überregionale "Werbung" sei, bestätigte dankend auch Ulrike Schneider vom Tourismusverband Zweitälerland.

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Einziger Wermutstropfen infolge der Veranstaltung: Ein Minus in der Kasse. "Das stecken wir weg, es geht auch wieder aufwärts" gab sich Willi Wehrle nach dem Bericht durch Kassiererin Brigitte Herr zuversichtlich, zumal der Verein finanziell keineswegs angeschlagen sei.

Es folgte der Bericht von Schussmeister Kurt Beckmann. Auch die Böllerschützen Bleibach waren mit mehr als 20 Veranstaltungen sehr rührig. Ein Besuch in der Ludwigsburger Filmakademie gab Gelegenheit, eine Dokumentation über Böllerschützen anzuschauen, bei dem auch die Bleibacher Akteure waren. "Finger in den Hosentaschen lassen" hieß es für die Böllerer beim Waffenhersteller und Polizeiausstatter Walther in Ulm. Stolz verwies Kurt Beckmann darauf, beim Jahresausflug in die Sächsische Schweiz die erste Böllerschützengruppe gewesen zu sein, die jemals von der Festung Königstein böllern durfte, was nur dank intensiver Verhandlungen und eines fingerdicken Auflagenkatalogs zu verwirklichen war.

Zeugwartin Friedel Wehrle bat die Böl-lerschützen, künftig beim Maibaumstellen einen Platz abseits der vielen, durch die lauten Böllerschläge oftmals verschreckten Kleinkinder zu suchen – eine Bitte, der man laut Beckmann verständnisvoll nachkommen werde.

2015 wird der Verein Ausrichter des Kreistrachtenfestes sein. "Auch wenn bis dahin noch Zeit ist, denkt schon jetzt daran: Wir brauchen alle Hände und Füße, damit es ein berauschendes Fest wird!" rief Willi Wehrle seine Mitstreiter auf. Nach Gruß- und Dankesworten verschiedener Vereinsvertreter gab die Singgruppe einige beliebte Brauchtumslieder zum Bestem, in die alle Anwesenden begeistert einstimmten.
Mitglieder: Gesamt 249, aktiv 142, passiv 79, Kinder 28. Austritte und Zuwachs hielten sich 2013 exakt die Waage.

Leckeres aus dem Elztal

Trachtenverein Zweitälerland und Historische Bürgerwehr bei Schäfer, Zollitsch und Störr-Ritter.

  1. Erzbischof Robert Zollitsch freute sich über die Neujahrsgrüße, die ihm Hubert Rombach, Edith Rombach, Friedel Wehrle und Walter Wernet vom Trachtenverein Zweitälerland überbrachten (von links). Foto: Dauenhauer

 

FREIBURG/GUTACH (hd). Gut zwei Dutzend Abordnungen von Trachtengruppen, Musikvereinen und Bürgerwehren aus dem gesamten Regierungsbezirk, aus dem benachbarten Elsass und der Schweiz trafen sich einen Tag nach Dreikönig zum traditionellen Neujahrempfang im Regierungspräsidium Freiburg.

Ein buntes Bild bot sich den vielen Gästen aus Politik und Wirtschaft, die von Alfred Vornab, Präsident des Bundes "Heimat und Volksleben" (BHV) im Basler Hof herzlich begrüßt wurden. Vornab zeigte sich erfreut, dass dieser Empfang bereits seit 65 Jahren stattfindet. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer hieß alle willkommen, lobte das große Engagement der Trachtenträgerinnen und Trachtenträger, die sich ehrenamtlich um den Erhalt von Tracht und Brauchtum einsetzen. Ihr besonderer Dank galt Alfred Vornab und Ursula Hülse, die seit Jahrzehnten die Neujahrsbesuche organisieren und begleiten.

Hülse, Geschäftsführerin des BHV, stellte die verschiedenen Gruppen vor, die der Regierungspräsidentin ihre Aufwartung machten. Mit dabei war auch eine kleine Abordnung des Trachtenvereins Zweitälerland aus Bleibach und die Historische Bürgerwehr Waldkirch, die ihre Glückwünsche für den Landkreis Emmendingen überbrachten. Die Neujahrsgrüße wurden mit Gedichten und Gesang umrahmt und die Wertschätzung mit verschiedenen wohlschmeckenden Präsenten aus der Region bekräftigt.

Anschließend zogen die katholischen Gruppen weiter zum Empfang von Erzbischof Robert Zollitsch und die evangelischen überbrachten ihre Grüße der Prälatin Dagmar Zobel. Nach dem gemeinsamen Mittagessen zogen die Trachtenträger ins Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, um Landrätin Dorothea Störr-Ritter ihre Neujahrswünsche zu überbringen.

"Die Herzen brennen für Europa"

Trachtenverein Zweitälerland und Musikkapelle Bleibach waren bei der 50. Europeade, einem internationalen Treffen, in Gotha dabei.

  1. Das ist Europa: Elztäler mischen sich unter Slowenier. Foto: Theo Kaltenbach

 

ELZTAL/GOTHA. "Kling Dich ein und mach’ mit!": Der Trachtenverein Zweitälerland und die Musikkapelle Bleibach haben sich diese Aufforderung nicht zweimal sagen lassen und an der 50. Europeade teilgenommen, einem internationalen Treffen von Trachtenträgern und Volkskultur. Ausrichter dieser Jubiläums-Europeade war die Residenzstadt Gotha in Thüringen.

Ein solches europäisches Festival verdient einen Ort, der von europäischer Tradition geprägt ist. Gotha ist ein solcher Ort. Die Europeade ist ein besonderes Fest: 200 Bürgergruppen aus allen europäischen Staaten sind zusammengekommen und stellten ihre Kultur vor.Die ganze Stadt war eine einzige Festbühne. Am Neumarkt, Buttermarkt, Hauptmarkt und an der Wasserkunst waren Festbühnen aufgebaut.

"Die Herzen brennen für Europa" – hieß das Motto des großen Feuerwerks zur Begrüßung. Schuhplattler aus der Steiermark saßen mit dem Bergsteigerchor aus den Abruzzen zusammen, Ukrainer tanzten mit den Mädchen aus Litauen, so wie auch deutsche Auswanderer aus Ungarn mit andalusischen Tänzerinnen flirteten. Die Gruppe "Echo der Berge" aus den französischen Alpen bezog bei ihrer Darbietung das Publikum in besonderer Weise ein: Die Gäste wurden zum Mittanzen auf die Bühne geholt. Da sagte keiner nein.


"SieSi" und "SimSi": Der Maibaum steht perfekt

In Bleibach beobachteten viele Gäste den kniffligen Aufstellakt.

Dieser Baum wird kein leichter sein, dieser Baum ist schwer und ist lang: 24 Meter hoch steht er nun kerzengerade beim Bahnhof. Foto: Bernd Fackler

GUTACH. "Sie kumme, sie kumme!"rufen die Buben am kleinen Hang zwischen Bahnhofstraße und Gleise. Sie haben die beste Sicht: Am letzten und lauen Aprilabend, kurz vor 18 Uhr, da kommt ihnen und den vielen anderen Zuschauern so einiges entgegen aus Richtung Ölbergweg her: Bulldog und Böllerschützen, Freischärler und Schiebeschläger, Tauzieher und Trachtenträger und gleich drei Musikkapellen: Aus Bleibach, Siegelau und – das erste Mal dabei – Siensbach. Ja und irgendwo ziemlich hinten lässt sich die Haupt"person" ziehen: Der mehr als stattliche Maibaum, genau 24 und einen halben Meter lang, dessen Stamm ganz badisch-gelb-rot-gelb angemalt ist .

Auf dem Bahnhofvorplatz soll er wieder aufgestellt werden, "zum siebten Mal", wie Willi Wehrle, der Vorsitzende des federführenden Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein Bleibach "Zwei-tälerland" zu Beginn den vielen Gästen mitteilt. Wehrle war es auch, der vor sieben Jahren Idee und Initiative hatte: In Deutschland soll der Brauch des Maibaumstellens schon im 13. jahrhundert gepflegt worden sein – da wurde es auch für "Bliibich" mal Zeit, mag er sich gedacht haben. Im Lauf dieser kurzen Zeit ist es ein Ereignis im ganzen Tal geworden, zu dem die Leute herbeiströmen.

Nachdem der lange Baum gut überall um den "Ronk" (Kurve) kam, übernahm Korporal Karl Schweizer

("Schmiddi-Karli") von den Bleibacher Böllerschützen die Befehlsgewalt. Und stellte gleich mal klar: "So e Baum ufz’stelle, des brucht si Zit, des war schu immer so." Man erfuhr auch, dass es eine "Siegelauer Site" und eine "Simiswälder Site" bei diesem Maibaum gibt . Also eine "SieSi" und eine "SimSi", soso. "Männer, Baum, hoch!" ertönte mehrmals das "Karli-Kommando" für die Baumsteller mit den badisch-gelb-rot-gelben Schutzhelmen. Hätte es solche anno 1848 schon gegeben, wer weiß, wie dann die Revolution ausgangen wäre?

Schließlich ruft der Korporal: "Wenn der Baum uf 60 Grad stoht, mueß er durchg’stellt were!" und kurz darauf: "Siegleauer Site ziege, ziege, ziege, Simiswädler Site nochlosse!" Unter der Regie von "Baumstell-Architekt" Michael Eh klappte alles wie am Schnürchen, der Maibaum 2012 steht auf Anhieb "wie ’ne Einser" – Musik, Beifall, Böller. Alles klatscht und freut sich, natürlich auch und ganz besonders Willi Wehrle: "So vieli Trachte und Musike und de Petrus het’s au noch guet g’meint mit uns – do schlagt einem s’Herz höher !"

Zum Abschluss erklingt von allen drei Kapellen gemeinsam "Hoch Bad’nerland" und dann: Abmarsch in Wehrles Gipserhalle, wo die Kapelle "Malayka" noch lange zum Tanz in den Mai aufspielt.